Die Milchjunkies schwelgen in
TV Erinnerungen und sammeln Beiträge von Bloggern über das gute alte Fernsehen.
In meiner Kindheit gab es noch wenig Sex auf dem Bildschirm, und als heranwachsender Junge erfreute man sich höchstens an
Flipper und seinem Freund Sandy Ricks, welcher von dem schnuckeligen
Luke Halpin gespielt wurde. Seine Figur reizte mich mehr wie die prallen Brüste in der engen Korsage von Miss Kitty aus
Rauchende Colts, die ihren Saloon immer schlägkräftig verteidigte, wenn es zur obligatorischen Prügelei kam.

Dank den 68ern und der Love-and-Peace-Bewegung entwickelte sich in der Bundesrepublik eine sexuelle Freizügigkeit, die sich allmählich auch auf dem Bildschirm bemerkbar machte. Ich erinnere mich gut an den Skandal, welche eine durchsichtige Bluse einer Kandidatin bei der samstäglichen Familienshow
Wünsch dir was! mit Dietmar Schönherr und Vivi Bach auslöste...
Nach einigen Folgen
Klimbim mit reichlich nackter Haut (...dann mach ich mir 'nen Schlitz ins Kleid und find' es wunderbar) hatte sich diese Panik weitgehend gelegt, und man sah jetzt öfters primäre Geschlechtmerkmale *sabber* auf dem Bildschirm. Im
Tatort durfte man zu dieser
Zeit auch immer viel nackte Haut bewundern. Herausragend war dabei die Folge
Reifezeugnis mit der jungen Nastassja Kinski als "Kindfrau", die selbst mich fazinierte, und wochenlang das Gesprächsthema in den Medien war.
Aufsehen erregte im gleichen Jahr (1977) die Ausstrahlung einer Verfilmung des Romans
Die Konsequenz von Alexander Ziegler. Die tragsiche
Geschichte einer schwulen Liebe veranlasste den bayerischen Rundfunk, seinem Publikum vorzuschreiben, was es sehen darf, indem er sich aus dem Programm der ARD ausklinkte, und stattdessen einen anderen Film zeigte. Heute undenkbar, damals grausame Realität einer prüden .
Ich dagegen sog jede Minute des Films in mich hinein, denn er war für mich die erste "intime" Begegnung mit der schwulen Welt: da küssten sich zwei Männer (Ernst Hannawald und Jürgen Prochnow), streichelten und liebten sich ohne Scham. Sie kämpften gegen die Widrigkeiten der Gesellschaft und demonstrierten ungeheuerlich viel Mut und Leidenschaft. Zum Glück war ich an diesem Abend allein zu Haus, und konnte den Film ohne Störungen bis zum bitteren Ende "verschlingen". Prochnow, als Gefängnisinsasse Martin Kurath, prägte damals mit seinen Locken meine Lust auf markante Männer...
Zwei Jahre später begeisterte mich erneut ein Lockenkopf und ein Augenpaar, von dem ich lange Nächte träumte:
Timm Thaler, gespielt von Thomas Ohrner. Zwar war mir Thommy viel zu jung, aber ich stellte mir vor, dass er grösser und älter wäre....
Zum Schluss bleiben noch die Erinnerungen an
Falcon Crest mit dem rassigen
Lorenzo Lamas 
zu erwähnen, dieser typisch amerikanischen Seifenoper aus den Weinbergen Kaliforniens, sowie die laziv tanzenden "Gogos" aus dem
Musikladen mit Manfred Sexauer und Uschi Nerke. Die Möpse der Mädchen dienten meist zur Untermalung stimmschwacher Popmuzik, und verhalfen damit einigen "Liedchen" zum (One)Hitwonder

.
In den Neunzigern sorgte
Tutti Frutti beim "Schmuddelsender" RTL für reichlich Wirbel, doch hätte diese Show keinen einzigen "Länderpunkt" von mir bekommen, da manche Herren beim Strip besser die Hosen angelassen hätten, und das ganze ziemlich bieder präsentiert wurde.
Heute gehören sexuelle Szenen zu jedem guten (oder schlechten) Film; Titten und Ärsche zeigen Musiksender rund um die Uhr, und kaum eine Soap kommt ohne (tuntige) "Vorzeigeschwule" aus. Doch bedienen diese Serien i.d.R. lediglich ein Klischee, und führen nicht "konsequenterweise" wie damals zu mehr Akzeptanz anderer Lebens- und Liebesweisen in der Gesellschaft.