....den vergisst man nicht. Zumindest schreibt dies die
taz in der
Wahrheit. Egal ob Wahrheit oder Lüge, mich haben diese Zeilen sofort an meine erste Begnung mit einem schwulen (?) Mann erinnert.
Ich war 14, und das erste Mal allein zu Haus, da meine Grossmutter (bei der ich aufwuchs) vier Wochen in Kur war. Damit ich nicht ganz nur auf mich angewiesen war, kam meine Patentante (das Bloomaul) ab und an vorbei. Oder ich besuchte sie am Wochenende. Und genau wie in in der taz, lernte ich den ersten homosexuellen Mann in einem Zug kennen.
Er sass mir gegenüber, ein grauhaariger, älterer Mann im schwarzen Anzug mit weissem Hemd und Krawatte. Seriös, doch er könnte mein Grossvater gewesen sein. Ausgiebig betrachtete er mich, insbesondere meine Hände. Diese waren dann der Anhänger für ein Gespräch. Ob ich Klavier spiele? Wieso denn nicht? Ich hätte die geeigneten Finger dafür...
Gut, musikalisch begabt bin ich nicht, aber ein Klavier hätte mich durchaus gereizt. Doch unsere kleine Wohnung bot nicht die richtige Atmosphäre für ein Klavier, denn es sollte dann schon ein Flügel sein. Aber woher das Geld nehmen, dazu die Ausgaben für einen Klavierehrer...Also blieb ich lieber unmusikalisch!
Doch dieser Mann liess sich nicht abbringen und bat mich zu sich herüber. Ich willigte ein, und als ich neben ihm sass, nahm er meine Hände und streichelte sie. Solche schönen gliedrigen Hände wären ideal zum Klavierspielen.
Da durchfuhr es mich, dieser Mann muss schwul sein, und weit und breit niemand im Zug, der mir hilft seiner Begierde zu entfliehen. Klar, vergewaltigen wird er mich nicht, zumal er schon älter war - bestimmt 65 - und ich jung und flink wie ein Wiesel. Mein Herz schlug schneller, besonders als er meinen rechten Schenkel berührte, und mich dabei alles mögliche ausfragte. Woher ich komme, wohin ich gehe, ob ich immer mit dem Zug fahre, usw....
Endlich die erlösende Durchsage: Schwetzingen, bitte rechts aussteigen! Erleichtert verabschiedete ich mich, und sprang eilig aus dem Zug. Mein Herz schlug wild und aufgeregt. Ich malte mir auf dem Nachhauseweg aus, was er gemacht hätte, wenn ich ihm gesagt hätte, dass ich zur Zeit allein bin...
Und dennoch war ich traurig, dass ausgerechnet er es war, der mir als Mann zeigte, dass er scharf auf mich ist, und nicht ein anderer, jüngerer, welcher mir in den Träumen immer begegnete....
P.S. Dieses Erlebnis hat mich faziniert und abgeschreckt zugleich. Wie war es bei euch? Habt ihr ähnliche Erinnerungen?